Um beim Kraulschwimmen Vortrieb zu erzielen, bewegen wir die Hände von vorne nach hinten. So weit, so gut. Gemessen daran, dass die Hände dabei die wesentliche Antriebsfläche darstellen, wird der richtigen Technik – nach meiner Beobachtung – allerdings vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit geschenkt.  Und das, obwohl die koordinativen Anforderungen gering und der Forschungsstand dazu eindeutig sind. In diesem Beitrag versuche ich, ein paar Grundlagen dazu zu erläutern.

In Kurzform: Korrekt sind eine flache Hand und leicht gespreizte Finger. Beides ist wissenschaftlich vielfach untersucht und eindeutig belegt. Um das nachvollziehen zu können, ist es jedoch wichtig, die Grundprinzipien zu verstehen. Etwas vereinfacht ausgedrückt üben wir mit der Hand Druck auf das Wasser aus und ziehen und schieben uns durch die Handbewegung in Schwimmrichtung. Je größer die Handfläche dabei ist und je besser die Druckresultierende entlang der intendierten Schwimmrichtung ausgerichtet ist, umso besser gelingt der Vortrieb.

Jetzt sehe ich allerdings häufig Schwimmer:innen mit gekrümmter Hand schwimmen, etwa in der Haltung, die eine Hand annimmt, wenn sie ganz entspannt ist. Die Hand bildet dann eine Art „Schöpfkelle“. Stellt man sich diese Hand in der Ansicht vor, dann erkennt man jedoch schnell, dass die projizierte Fläche deutlich kleiner ist als bei einer gestreckten Hand. Man verliert also Antriebsfläche. Stellt man sich zusätzlich die Druckverteilung auf einer gekrümmten Fläche vor, dann wird außerdem klar, dass die einzelnen Druckkomponenten alles andere als in Schwimmrichtung ausgerichtet sind. Man verschenkt also zusätzlich Energie. Es macht also Sinn, die Hand zu strecken. Allerdings darf das nicht mit Gewalt geschehen, da dies zu einer vorschnellen Ermüdung der Unterarmmuskulatur führt. Eher ist es ein feines Austarieren zwischen der notwendigen Spannung und dem Wasserdruck, der die Hand entsprechend ausrichtet.

Ein nachweislich effektiver Weg, die Handfläche zusätzlich zu vergrößern, besteht darin, die Finger leicht zu spreizen. Die Literatur spricht von Druckzugewinnen zwischen 5 und 10%! Dabei wurden unterschiedliche Winkel und Abstände untersucht und häufig Winkel von 10° als optimal bezeichnet. Der hydrodynamische Effekt besteht dabei darin, dass geringfügige Spalte zwischen den Fingern durch die Entstehung von Wirbeln einen so großen Strömungswiderstand darstellen, dass kein Wasser hindurchströmt und somit die Handfläche hydrodynamisch vergrößert wird.

Bei der Winkelangabe von 10° handelt es sich natürlich um eine sehr akademische, wenig pragmatische Angabe. Wie lässt sich das also pragmatisch umsetzen? Hier kommt das viel gerühmte Wassergefühl ins Spiel. Wassergefühl ist etwas, was sich nicht von heute auf morgen erlernen lässt. Aber es lohnt sich – und jeder kleine Fortschritt kann große Folgen haben. Üben kann man das, indem man der Hand Kontraste „anbietet“ und damit die Körperintelligenz anregt (mehr über Körperintelligenz findest du hier). Konkret bedeutet das, dass im Training regelmäßig mal mit gespreizten, mal mit geschlossenen Händen, mal mit Faust, mal mit gekrümmten Fingern, usw., geschwommen werden sollte, um mit der Zeit ein stimmiges Wassergefühl zu entwickeln.

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