Das Grundprinzip

Dein Potenzial beim Schwimmen – ausgenutzt durch bessere Schwimmtechnik

Das Prinzip sub66 besagt, dass der Durchschnitt aller Langstrecken-Triathleten die physiologischen Voraussetzungen hat, die 3.8 Kilometer in unter 66 Minuten zu schwimmen. Was fehlt sind nicht Trainingskilometer, Einsatzwille oder Fleiß, sondern die Technik, um sich im Wasser genauso natürlich, sicher und angstfrei fortzubewegen wie an Land.

Schwimmen gilt als eine technische Sportart, also als eine Sportart, bei der eine effiziente Technik einen relativ gesehen größeren Beitrag zum sportlichen Erfolg liefert als bei weniger technisch orientierten Sportarten. Die Erfahrung zeigt, dass eine mangelnde Technik nur partiell durch die Verbesserung leistungsphysiologischer Parameter wie Kraft und Ausdauer ausgeglichen werden kann. Also stellt sich grundsätzlich die Frage: Warum nicht durch verbesserte Technik bei gleichem Trainingsaufwand schneller schwimmen können bzw. mit weniger Trainingsaufwand genauso schnell?

Make water your friend – durch eine bessere Kraultechnik

Unter den drei Triathlondisziplinen kommt dem Schwimmen eine spezielle Rolle zu. Einerseits die kürzeste Distanz und damit scheinbar vernachlässigbar, dazu technisch kompliziert und häufig psychologisch schwierig, da es in einem fremden Medium, unter erschwerten Atembedingungen und im direkten körperlichen Kontakt mit dem sportlichen Gegner stattfindet. Andererseits aber genau wegen dieser Komplexität eine Disziplin, bei der durch die Weiterentwicklung der technischen Fähigkeiten größere Fortschritte erzielt werden können als in den anderen Disziplinen. Technisch auf höherem Niveau zu schwimmen, bedeutet müheloser, sicherer und angstfreier zu schwimmen – und damit schneller. Im Idealfall raus aus dem Pulk.

Die Daten der Roth Challenge

In der Weiterentwicklung der technischen Schwimmfähigkeiten liegen gerade für bereits erfolgreiche Triathleten große Verbesserungspotenziale.

Schaut man sich beispielsweise die Ergebnislisten der Roth Challenge 2017 an, so stellt man Erstaunliches fest: Obwohl das Radfahren sowohl im Wettkampf als auch im Training die zeitlich aufwändigste Disziplin ist, so sind Agegrouper Triathleten auf dem Rad deutlich besser als in den anderen beiden Disziplinen. Wie komme ich darauf? Setzt man die Splitzeiten aller männlichen Agegrouper ins Verhältnis zu der Durchschnittszeit der männlichen Top 10 Profis, so fahren etwa 50 % der Agegrouper Radsplits, die schneller als das 1.3-fache der Profizeiten sind. Ergo fahren etwa 50 % langsamer als das 1.3-fache.

Verbesserung Schwimmen durch Schimmtechnik im Roth Triathlon
Männliche Agegrouper (AG), Roth 2017. Die Zeiten und Häufigkeiten um die 50 % Marke sind rot markiert.

In den Disziplinen Laufen und Schwimmen ist die Leistung der Agegrouper im Vergleich erheblich schlechter: Hier liegt die 50% Marke bei nur etwa dem 1.5-fachen der Leistung der Pros, also deutlich schlechter als auf dem Rad! Wie kommt das?

Warum sind die relativen Leistungen der Triathlon Agegrouper beim Laufen und Schwimmen schlechter als beim Radfahren?

Natürlich sind die Unterschiede in der disziplinspezifischen Leistungsfähigkeit im Detail durch Tagesform, Trainingsaufwand und Renntaktik begründet. Dennoch lassen sich grundsätzliche Prinzipien erkennen.

Im Vergleich zum Radfahren ist das Laufen durch zwei grundsätzliche Nachteile für Agegrouper gekennzeichnet. Erstens findet das Laufen am Ende des Gesamtrennens statt, so dass sich Unterschiede in der Grundlagenausdauer zwischen Pro und Agegrouper hier am deutlichsten zeigen. Man kann wohl davon ausgehen, dass Pros einen erheblich höheren Trainingsaufwand betreiben und dass sie daher mit zunehmender Rennlänge auch zunehmende Vorteile haben. Zweitens ist Laufen eine Diszplin, bei der geringes Körpergewicht essenziell für den Wettkampferfolg ist, während das beim Radfahren, insbesondere bei flachen und schnellen Radstrecken, sicherlich weniger entscheidend ist. Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass Pros ein im Vergleich zum durchschnittlichen Agegrouper günstigeres Körpergewicht aufweisen und daher zusätzlich beim Laufen begünstigt sind.

Die beiden Argumente gelten beim Schwimmen allerdings nicht bzw. nur bedingt. Unzweifelhaft ist, dass Schwimmen die erste Disziplin beim Triathlon ist und somit Fragen der Grundlagenausdauer weniger schwer ins Gewicht fallen. Bei Wettkämpfen ohne Neoprenverbot wird außerdem der Einfluss des Körpergewichtes weitestgehend neutralisiert.

Warum also Agegrouper schlechtere Läufer als Radfahrer sind, liegt auf der Hand. Aber warum sind Agegrouper auch wesentlich schwächere Schwimmer als Radfahrer?

Schwimmen vs. Radfahren im Triathlon

Man könnte argumentieren, dass beim Radfahren Vorteile für Agegrouper gegenüber Pros entstehen, da das Windschattenfahren im großen Feld nicht immer kontrollierbar oder auch nicht immer vermeidbar ist. Allerdings ist das Schwimmen im Wasserschatten ja sogar erlaubt und aufgrund der Größe des Feldes findet jeder Schwimmer eine Gruppe, in der er mitschwimmen kann.

Was also letztlich das Schwimmen für Agegrouper von den anderen beiden Diszplinen unterscheidet, ist der höhere Anspruch an die technischen Fertigkeiten. Dazu zählen Wassergefühl, Atmung, Orientierung, in der Gruppe schwimmen und vieles mehr. Am Beispiel der Männer in Roth 2017 ist erkennbar, dass 50% der Agegrouper mit dem 1.5-fachen der Pro-Zeiten weniger als 1h16 (genau 1h15:14) für die 3.8 km benötigen. Würden Agegrouper – wie beim Radfahren – lediglich das etwa 1.3-fache der Pro-Zeiten benötigen, würden sie stattdessen nur 1h06 benötigen – 66 Minuten.

Knapp 10 Minuten Verbesserung auf der Langdistanz – nicht durch mehr Trainingskilometer, sondern durch Verbesserung der Technik!

Vergleiche dich mit den Pro-Zeiten und mache dein persönliches sub66 zu deinem Ziel!

Natürlich sind 66 MInuten ein statistischer Wert, abgeleitet aus den Ergebnissen von Roth 2017. Aber auch wenn du bereits schneller schwimmst, wird dir die Verbesserung deiner Schwimmtechnik dabei helfen, effizienter zu schwimmen. Suche deine Splitzeiten der einzelnen Disziplinen in den Tabellen und vergleiche deine Leistungsfähigkeit in den Disziplinen mit denen der Profis. Bist du im Schwimmen relativ gesehen schlechter als auf dem Rad? Dann bringe dich beim Schwimmen auf das gleiche Niveau, die cardio-vaskulären Voraussetzungen dafür hast du – die Technik zeige ich dir!

Du möchtest mehr Daten? Hier findest du sie.